Ferragosto

Christian Günther

Einen Winter lang hatte ich Kreise gemalt, nachts, ohne das Licht einzuschalten, in dem kalten Atelier, das ich mit Ron teilte, krickelige Kreidekreise, Crayon Spiralen auf Packpapier, das ich an die Wände geklebt hatte, oder ich hatte mit einem Kugelschreiber über Skizzenblöcke gekritzelt, während ich daneben auf einer Matratze lag, eingehüllt in eine Wolldecke. Oft krank, Kratzen im Hals, Skrjabin hörend, immer dieselbe Schallplatte. Am nächsten Morgen hatte ich mich vom Anblick der Bilder überraschen lassen. Oft mochte ich sie - je unfähiger sie aussahen desto besser. Dann hatte ich die gefrorene Eisdecke zerbrochen, die sich in der Waschschüssel gebildet hatte, und mein Gesicht gewaschen. Wenn ich auf die Straße hinuntergesehen hatte, dachte ich oft an Edgar Allan Poe, der vor seinem Tod durch die Menge geirrt war, mit entzündetem Gehirn, zusammengebrochen, gestorben war, - er, der als Teenager meilenweit den James River von der Küste flussaufwärts geschwommen war, voll unermüdlicher Kraft, in den schwülen Virginia-Sommern, die ich so gut kannte, aufs Meer hinausgeschwommen war zu zaubrischen, unbewohnten, vorgelagerten Inseln, ohne Angst vor den Haien, hatte ich gedacht und das seltsame alte Gemälde vor Augen gehabt, auf dem ein Hai gerade einen Jüngling gebissen hat, - der bleiche junge Mann schwebt und der glänzende, graue, sich windende Hai will ihn wieder angreifen im seidenen klaren Wasser -, ein Bild, das der, dem dies geschehen war und der dabei ein Bein verloren hatte, in Auftrag gegeben und als Londoner Bürgermeister später in seinem Amtsarbeitszimmer aufgehängt hatte.

Eine Art Blechspielzeugfigur, aufgezogen immer das gleiche tuend, so sah ich mich im Rückblick auf jene Zeit. Seit dem Frühjahr war ich hier in Neapel – Ron in Marokko: zubbi, zoubi zou – und hatte in einer kleinen Pension den ganzen Sommer lang weiter Kreise gemalt, kringelte auch gerade wieder welche, auf einer Serviette, im Schatten vor einem Café, aus dem italienische Schlager klangen. Dramatische Musik und Worte, die ich nicht verstand. Es war jetzt schon heiß, der Feiertag für alle, alle fuhren ans Meer, bald würde die Stadt verlassen sein. Ich wartete auf einen amerikanischen Journalisten, den ich in einer Bar kennengelernt hatte und der mich unbedingt italienischen Freunden vorstellen wollte. Wieder dachte ich an Ed, Eddy, sah ihn als einen Wirbel im Meer, das er durchschwamm, und schaute auf die kleine schwarze Pfütze in meiner Espressotasse, auf die sepiabraunen Ablagerungen am Rand der glänzend weißen Mulde, als ganz in meiner Nähe ein Auto hupte.

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Ein Künstler, der Kreise malt. Seine (Jahres-)Kreise in Virginia, in St.Petersburg. Und in Neapel, wo er Antonia trifft und mit ihr den Feiertag Italiens verbringt: Ferragosto.
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Christian Günther

Geboren in Hamburg. Studium der Literaturwissenschaft. Lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Bonn. Bespricht als Deutschlehrer seine eigenen Kurzgeschichten im Unterricht, damit sie mehr Leser*innen finden. Bisher eine Veröffentlichung in der Zeitschrift mosaik. Außerdem drei Romane und ein Band mit Kurzprosa im Selbstverlag.

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