Margret & Fritz

Katharina Körting

Ihr erster Fisch hieß Fritz. Sie war 23. Das war damals so, erklärt sie meinen hochgezogenen Augenbrauen. Da war meine Mutter noch nicht meine Mutter, sondern Studentin der Medizin. Für diese Geschichte nenne ich sie Margret.

Umwerfend war sie, ein umwerfendes Mädchen, blond, groß, gewitzt, etwas schüchtern vielleicht, aber das fiel nicht weiter auf, so laut ging ihr Lachen darüber hinweg. Margret hatte in Freiburg das Physikum abgeschlossen und wechselte nach Innsbruck. Fritz zog mit. Vielleicht war es auch umgekehrt, und es war Margret, die mit Fritz ging. Jedenfalls war Winter, und in Innsbruck konnte man gut Ski fahren.

Einen weiteren Grund nennt meine Mutter nicht. Margret liebte den Schnee und die roten Wangen und die Herausforderung und das Gleiten nach unten und das Stocken des Herzens und das Glitzern im Eis. In Freiburg gab es nichts mehr zu erleben, erzählt meine Mutter, das kannst du so schreiben. Und ich höre, denn die Buchstaben gehören mir. Margret liebte den Kitzel und hasste die Vorhersehbarkeit ihres kleinstädtischen Elternhauses. Sie wusste, wogegen sie zu leben hatte. Meine Mutter weiß es noch immer, und da schiebt sich so viel Heute vor ihre Geschichte, dass sie im Gegenlicht zu verschwinden droht. Geblendet angle ich nach Margret, will sie kennenlernen – jetzt, wo das Licht nachlässt, der Himmel meiner Mutter tiefer liegt, will ich durch die feuchte Kälte nach ihr greifen, geködert von einem goldenen Ring. Ich muss dafür den Schneeregen außer Acht lassen, der uns umfängt, meine Mutter und mich, in dem man friert und sich aneinander wärmt und die hellen Tage als Glück begreifen lernt. Margret fror nicht leicht, denn sie ging in der Sonne, scharte Studenten um sich, und einer davon, der Schönste, war Fritz: ein Ruderer, dunkelhaarig, mit dreieckig breitem Rücken, braunen Augen, reizenden Wimpern und einer tiefen Stimme, die verstörend männlich klang, und warm wie eine Erinnerung an etwas, das in der Zukunft lag.

In Wirklichkeit kann ich das gar nicht wissen, denn seine Stimme habe ich nie gehört, seine Augen nie gesehen und kenne auch kein Foto. Aber so stelle ich ihn vor mich hin, und so wird er wahr, und so wird es wirklich gewesen sein, wie jede Geschichte, die meine Mutter erzählt: So hat er ausgesehen, genau so, und ich weiß auch, dass ich die Falte in seiner Nase, die ich mir an ihm denke, nicht gemocht hätte, gab sie ihm doch einen Anflug von Verschlagenheit; seine Ohren hätte ich zu klein gefunden, mich vor seinem Geiz in Acht genommen – die Ohrläppchen waren ihm am Kopf angewachsen, und man weiß ja, was das bedeutet. Die Ohren meiner Mutter sind dagegen mächtig und breit wie ihre Hände, die sie vom Vater erbte; ihre Ohrläppchen pendeln weich und frei, fern vom Hals, fern vom Geiz.

Margret war ein großzügiger Mensch, der sich von ihren kleinlichen bürgerlichen Verlegenheiten behindert fühlte wie von allem Zwang, der wie sie aus Münster stammte, wo sie jeden Sonntag zur Beichte zu gehen hatte. Die Kleinstadt lag ihr wie Gift im Blut und trieb sie an: Ihre Moral bestand darin, es anders zu machen. Margret wollte auffallen, sich Scherereien einhandeln und spüren, wie das zusammen ging: Margret und das Leben.

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Die Frage nach Schwangerschaftsabbruch. Vor dem Hintergrund katholischer Erziehung besonders komplex. Und das Anfang der 1970er Jahre, als mit der Stern-Aktion „Ich habe abgetrieben“ die Frauenbewegung erst richtig begann.
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Katharina Körting

Katharina Körting, M. A. phil., lebt in Berlin, veröffentlicht Prosa, Lyrik und journalistische Texte. 2021 erschienen in Buchform die Essays „Kontakttagebuch“ und „Liquidierung der Vergangenheit“. Die Autorin erhielt verschiedene literarische Auszeichnungen, jüngst den 2. Preis der Achten Berner Bücherwochen (Dez. 2021) . In Arbeit befindet sich zurzeit wenig origineller-, aber notwendigerweise ein Roman über, trotz, wegen, mit Kontaktbeschränkungen. Ob er gedruckt wird, sieht man dann.

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