Schreie aus dem Lektorat – Teil 2

Zu Halloween scheint mir die Aufnahme der Artikelreihe „Schreie aus dem Lektorat“ passend. Ich möchte mit einem ganz rudimentären Anliegen anfangen, das auf den ersten Blick möglicherweise banal anmutet. Bitte niemals eine eingereichte Textdatei „Text“ nennen. Hä? Genau. Es reicht nicht aus, beim Einreichen eines Manuskripts nur in der E-Mail den tatsächlichen Titel aufzuführen. Wenn ein Werk einen (Arbeits-)Titel hat – warum die entsprechende Datei nicht? Fragezeichen. – Jetzt mag die Leserin/der Leser staunen: Was, das gibt es? Ja, tut es.

Warum ich mit einer solchen Banalität beginne?  Weil ich dem vorbeugen möchte – und weil die Benennung der Dateien in meinen Augen sehr vielsagend ist. Erreicht mich ein Manuskriptangebot mit (einer nichtssagenden) Dateibezeichnung wie „Text“, ist das in jedem Fall eine Nachlässigkeit. Ob sich dazu Unsicherheit, Arroganz, Möchtegern-Coolness oder eine weitere Zutat gesellen, bleibt erst einmal offen. Eine Manuskriptdatei ohne Titel und auch ohne Autor*innenname finde ich an sich problematisch. Wobei der fehlende Name der Urheberin/des Urhebers durchaus verzeihlich ist, insbesondere wenn das Manuskript eine Kopfzeile mit Kontaktdaten aufweist.

Generell gilt: Manuskriptdatei mit Titel (falls zu langer Titel in abgekürzter Variante) und mit dem Vor- und Nachnamen versehen. Ja, solche Formalitäten spielen für eine erfolgreiche Anfrage durchaus eine Rolle. Man sollte sich als Autor*in immer bewusst machen: Lektor*innen sind textverrückte Personen, die nach Entdeckungen gieren. Wenn sie einen Text mögen, merken sie sich dessen Titel. Eine Manuskriptdatei ohne Titel ist darum Unfug – zusätzlich schon nach wenigen Tagen im Posteingang kaum noch auffindbar.

Außerdem haben Lektor*innen keine Lust, sich mit Formalitäten auseinanderzusetzen. Sie wollen den puren Stoff. Wenn sie merken, dass sie einer Autorin/einem Autor erst grundlegende Umgangsformen und das Kommunikations-Einmaleins erläutern müssten, dann. Nö. Kein Bedarf. (Da könnte außerdem ja ein ganzer Rattenschwanz von Problemen warten.) Um solcherlei Komplikationen in Kauf zu nehmen, ganz ehrlich, da muss ein Text schon 120-prozentig überzeugen.

Fazit: Ein schlechter (erster) formaler Eindruck erschwert es jedem Inhalt. Leider. Also… Danke!