Warum die? – Begründungen der Text- Autor*innenauswahl für die Anthologie (Teil 2)

Jan Fischer

Jan Fischer kann man getrost einen ganz eigenen Stil attestieren. Er hat sich weit von den viel zitierten (und) ausgetretenen Wegen entfernt. Schon mal eine poetische Pop-Splatter-Liebesgeschichte gelesen? Die vor Energie vibriert? Locker aus der Kinnlade erzählt? Mit (be-)stechendem Blick? Der um etliche Ecken schaut? – Nein?! Dann wird es Zeit. Fischer muss man lesen. Diesen Stil muss man erfahren. Hier ist Avantgarde. Für mich stand sofort fest: Drucken.

 

Maik Gerecke

Nicht jeder Text qualifiziert sich unmittelbar für die Aufnahme in eine Anthologie. Ich habe mich bei der „Geschichte von der Stange“ anfänglich an der Entwicklung des Themas gestoßen – und zwar weil in Maik Gerecke meiner Meinung nach ein großer Autor eines aktuellen Realismus steckt – und jedes Abgleiten ins Unwahrscheinliche(re) die Schnörkellosigkeit seines Stils verwässert. Gerecke ist ein brillanter Beobachter. Die Details sozialer und zwischenmenschlicher Tragödien werden unter dem Brennglas seiner Observation (ohne jede Beschönigung) in Brand gesteckt – damit man hinsieht. Obwohl ich bisher nur zwei Texte von Maik Gerecke kenne und ich mir jedes Mal ein bisschen mehr den hemingwayschen Eisberg gewünscht hätte (was Sagen und Nicht-Sagen anbelangt) habe ich mich dann auch gerade deshalb für eine Aufnahme entschieden: Weil ich hier viel Hemingwaysches sehe – ob der Autor mag oder nicht – allerdings mehr Humor.

 

Holger Heiland

Ich will ehrlich sein: Holger Heilands Text erreichte mich in der Konzeptionsphase der Ausschreibung, sie war noch nicht veröffentlicht. Für mich kam der Text also wie gerufen, ohne dass ich tatsächlich gerufen hätte  – und ich fragte den Autor, ob ich ihn zu den noch zu erwartenden Einsendungen dazutun dürfe – ich durfte. Ich mochte den an Herzschmerz leidenden, ans Meer pilgernden Protagonisten sofort und dessen mit ironischem Abstand ausgeführte, gerade darum so lebensecht-sympathische, Schilderung. Heiland erzählt gewitzt und scharfzüngig, klar und präzise, packt rosarote Beziehungsklischees mit spitzen Fingern an und aus, lüftet spöttisch alles unter irgendwelche (Paar-)Läufer bzw. in die Falten der Jahre Gekehrte – sodass wohlbekannte, allzuzwischenmenschliche Pein sich aufs Süßeste verströmt und es äußerst unterhaltsam wird, über völlig „Zerschlagenes“ zu lesen.

 

Julia Hoch

Eine Autorin, die das Experimentelle und Hybride praktiziert. Ein Text, durchsetzt von Theaterdialogen. Das hat mich sofort überzeugt! Perfekt passend zum Verlagsprogramm. Julia Hoch ist eine Könnerin in Sachen Aussparung. In aller Kürze wird mit aller Würze das Ende einer Beziehung samt deren Problematiken auf- und vorgeführt. Großartig. Ich werde nicht müde dieses Textlein zu lesen. So wünscht man sich das.