Feßmann – Novelle

Maik Gerecke Novelle

Info

Inhalt:

Sommer 1998. Der 17-jährige Ich-Erzähler zieht mit seinen Eltern in eine verschlafene Gemeinde irgendwo in Deutschland. Als Ingenieur hält sein Vater die Familie mit Ortswechseln auf Trab. „Der Neue“ zu sein, ist ihm daher nur zu vertraut. Im Handumdrehen findet er Freunde, verbringt Nachmittage am Badesee und dann verliebt sich auch noch Debbie in ihn, das begehrteste Mädchen der Schule. Besser könnte es nicht laufen, wäre da nicht: Fabian Feßmann, Fettmann, die Zielscheibe der gesamten Schule. Der Neue hat Mitleid und beschließt, Feßmann in die idyllische Gemeinschaft zu integrieren. Ein Versuch, der nach allen Regeln der Kunst scheitert und in einem Amoklauf gipfelt.

Maik Gereckes in Rückblenden erzählte Novelle ist das Gegenteil einer „Highschool-Komödie“ – die nicht nur die Gesellschaftsstrukturen der 90er-Jahre seziert, sondern jegliches ewig Gestrige mit dem Heute konfrontiert.

Textauszug:

Wer damals erst frisch geboren war, versteht an dieser Stelle vielleicht gar nicht, in was für einer Welt das alles stattfand. Sexismus, sprachliche Gewalt, Phobien vor normabweichenden Sexualitäten oder Geschlechtsidentitäten – das waren alles Dinge, die einen festen Platz im alltäglichen Leben hatten. Randgruppenwitze waren noch salonfähig. Deswegen redete man wie selbstverständlich von Kampflesben, Arschfickern und ekligen Transen. Von Schwuchteln, Schwanzlutschern und dummen Fotzen. Ohne auch nur auf die Idee zu kommen, man könnte jemandem damit wehtun. Und dieses kleine Dorf mitten im Nirgendwo unterschied sich, so betrachtet, kein Stück vom Rest des Landes.

Das Auto-Autoreninterview mit Maik Gerecke. 12 Fragen zu seiner Novelle Feßmann.
Buchtrailer: Feßmann, Novelle von Maik Gerecke

Rezensionen

  • Maik Gerecke baut Brücken. Inhaltlich wie sprachlich. Er verbindet ein Heute mit den 90er-Jahren, er verbindet ein Dorf mit der Außenwelt, er verbindet literarische Relevanz mit leichter Sprache. Diese Novelle zieht blank, entlarvt Figuren und Leserschaft gleichermaßen, konfrontiert mit Vorurteilen und leichtfertigem Umgang mit diskriminierenden Begriffen und Phrasen. „Feßmann“ schießt mit ungewöhnlicher Munition auf Spielende und Lesende. Kurz, geradlinig, klar und geschärft.

  • Maik Gerecke ist mir schon in den zwei Anthologien („Zerschlagen“ und „*innen – Frauengeschichten“) des VHV-Verlags positiv aufgefallen. Darum war ich erfreut, als ich im Verlagsprogramm die Vorankündigung einer Novelle von ihm entdeckte.

    Nun, mit „Feßmann“ (...) ist Maik Gerecke eine (Fazit vorab) eindrückliche Erzählung gelungen, die das Gestern ins Heute holt und zeigt, wie aktuell das Thema "Mobbing" immer noch ist!

  • „Feßmann“ ist ein wortgewaltiger, wuchtiger, flott, bildhaft und fesselnd erzählter Text.
    Der Autor beweist psychologisches Gespür und Feingefühl. Er behandelt seine Themen differenziert in ihrer Komplexität und schafft es, eine drückende, gespannte und düstere Atmosphäre zu erschaffen, die das Buch durchzieht.
    Während des Lesens kam mir der Gedanke, dass sich das Buch als Schullektüre für Jugendliche eignen könnte, weil es so viele aktuelle, brisante und wichtige Themen beinhaltet (...) Die Lektüre drängt regelrecht auf Austausch und ist deshalb sehr geeignet für eine Diskussion, z. B. in einem Lesekreis.